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Einfach einmal weg

    April 2026:

    Warum der Kopf frei werden muss und wie die Reise dorthin entspannt bleibt.

    Die Tage werden länger, die Sonne scheint wärmer und das „Reisefieber“ beginnt sich auszubreiten. Natürlich, man kann das ganze Jahr über verreisen und viele machen das auch. Traditionell ist es aber die warme Jahreszeit mit den langen Abenden, die das Fernweh verursacht. Reisefieber, Fernweh … da hilft keine Tablette, kein Tee … da hilft nur, die Koffer zu packen und weg zu fahren. Ob irgendwo in der Nähe oder in ein anderes Land, ob per Bahn, Auto oder Flugzeug … die Möglichkeiten sind riesig: Die einen träumen vom Gewusel und der Kultur einer fremden Stadt, andere wollen nur ins Wasser springen. Ob See oder Meer ist Geschmacksache. Wieder andere zieht es hoch hinauf und sie schnüren die Wanderschuhe für eine Bergtour oder buchen ein Hotel, in dem „all inclusive“ das einzige Programm aus Wellness und „dolce far niente“ besteht. 

    Blick auf einen Badesteg am Klopeiner See mit rot-weißem Sonnenschirm bei strahlendem Sonnenschein

    Doch ist es tatsächlich immer so entspannend, wenn man wegfährt? Warum tun wir uns das eigentlich an?

    Warum der ganze Aufwand mit Buchung, Packen und Anreise?

    Es geht längst nicht mehr nur um „Schönwetter“ – die Sommer sind auch bei uns heiß. Hier in Kärnten können wir den Zufallsgenerator entscheiden lassen, zu welchem See wir baden gehen, die Berge laden zu Touren ein und auch mit dem Fahrrad können herrliche, abwechslungsreiche Routen geradelt werden. Zudem locken Sommerbühnen, Festivals und andere kulturelle Veranstaltungen. Viele nutzen und genießen die Urlaubsmöglichkeiten auch von zu Hause aus und sparen sich den Aufwand mit dem Verreisen. Urlaub daheim kann dabei genauso entspannend sein, wenn man es schafft, den Alltag einmal auszublenden.

    Und genau das ist der Punkt: Den Alltag ausblenden! Daher tut ein “Tapetenwechsel“ gut und was wie nach einer kleinen Wohnungsrestaurierung klingt, trifft den Kern des Verreisens ziemlich genau. Wir fahren im Alltag strikt auf Autopilot: Der gleiche Weg zur Arbeit, die gleichen Meetings, die gleichen Sorgen am Küchentisch, das Hinarbeiten zum Wochenende und selbst in der Freizeit gibt es genug vom immer Gleichen in Wohnung oder Haus zu tun. Dieser Trott kostet Energie, auch wenn wir es kaum merken. Sobald wir die Umgebung wechseln, neue Gerüche, andere Sprachen, unbekannte Straßen um uns haben, zwingt es uns, im Hier und Jetzt zu sein. Wenn man versucht, sich in einer neuen Stadt zurechtzufinden oder den Blick über ein Bergpanorama bzw. den Horizont am Meer schweifen lässt, rückt der gewohnte Alltag in den Hintergrund. Dies kann sich wie ein mentales Reset anfühlen. Die Batterien laden sich nicht durch das scheinbare Nichtstun allein auf, sondern durch ein Gefühl von Freiheit und neuen Eindrücken und das frei Werden im Kopf. 

    Berggipfel mit Gipfelkreuz (Poludnig), dahinter begrenzt eine Bergkette den Horizont.

    Dieses Gefühl der Entspannung und Erholung muss nicht unbedingt ein Selbstläufer sein. Mit einer schlechten Vorbereitung kann eine Reise mehr Streß als Erholungswert verursachen.

    Damit der Start in den Urlaub entspannt bleibt.

    Was es unbedingt zu vermeiden gilt: Bereits gestresst in den Urlaub zu starten, weil die Woche davor wieder einmal die Hölle war und am Abreisetag alles schiefzugehen scheint. Damit der Erholungseffekt nicht schon am Abreisetag verpufft, hilft es, ein paar Dinge anders zu machen als im üblichen Hamsterrad.

    1) Fang früh genug an.

    Aber nicht zu früh. Der größte Stressfaktor ist die Zeitnot am Ende. Wenn du erst am Abend vor der Abreise realisierst, dass der Reisepass abgelaufen ist oder die Sonnencreme fehlt, war’s das mit der Entspannung. Idealerweise machst du dir – je nachdem wohin es gehen soll – schon rechtzeitig vorher Gedanken. Nicht, um alles minutiös zu planen, sondern um die groben Dinge zu klären: Wohin? Wann? Welche Dokumente brauche ich? Natürlich auch: Was muss in die Reiseapotheke – vor allem wenn regelmäßig Medikamente benötigt werden! Wenn du diese administrativen Hürden früh aus dem Weg räumst, bleibt in der letzten Woche nur noch die Vorfreude.

    2) Die Kunst des Packens

    Weniger ist wirklich mehr. Wir neigen dazu, den ganzen Hausrat mitzunehmen „für den Fall, dass …“. Das Ergebnis: ein viel zu schwerer Koffer und die Angst, etwas vergessen zu haben. Versuch es mal so: Schreib eine Liste eine Woche vorher. Leg die Sachen dann bereit. Und zwei Tage vor der Abreise streichst du gnadenlos ein Drittel davon wieder. Du brauchst im Urlaub keine fünf verschiedenen Schuhe und nicht den Föhn, wenn das Hotel einen hat. Je weniger du schleppen musst, desto leichter fühlt sich auch der Kopf an. Und pack den Koffer am besten schon einen Tag vorher komplett fertig. Dann kannst du am Abreisetag in Ruhe frühstücken, statt panisch nach irgendwelchen Kleidungsstücken zu suchen.

    Markusplatz in Venedig mit der Kirche im Hintergrund, Laterne im vorderen Bereich des Bildes und man sieht einige Menschen auf dem Platz flanieren.

    3) Der Puffertag

    Das ist vielleicht der wichtigste Tipp, den die meisten ignorieren: Buche keinen Urlaub, der nahtlos an die Arbeit anschließt, wenn es irgendwie vermeidbar ist. Ein Tag zwischen Rückkehr und Arbeitsbeginn ist Gold wert. In diesem Tag kannst du ankommen, die Wäsche machen, einkaufen gehen und einfach wieder im eigenen Bett schlafen, ohne sofort den Wecker auf 6 Uhr stellen zu müssen. Dieser eine Tag verhindert das gefürchtete „Post-Urlaubs-Blues“-Gefühl und sorgt dafür, dass die Erholung noch ein paar Tage nachwirkt. Genauso hilft es, am Abreisetag nicht direkt von der letzten Besprechung zum Flughafen zu hetzen. Wenn möglich, nimm dir den Vormittag oder den Tag vor der Abreise auch schon frei, um in aller Ruhe zu starten.

    4) Akzeptiere, dass nicht alles perfekt ist

    Selbst die beste Planung kann eine Verspätung oder verregnete Tage nicht verhindern. Gewisse Dinge kann man weder ändern noch wirklich beeinflussen. Der Unterschied zwischen einem stressigen und einem entspannten Urlauber ist oft nur die Einstellung. Nimm es mit Humor, oder zumindest mit einer gewissen Gelassenheit: Wenn der Zug ausfällt oder das Restaurant geschlossen hat: Atme tief durch. Es ist Urlaub. Du hast Zeit. Oft entstehen aus solchen kleinen „Katastrophen“ die besten Geschichten und unvergesslichsten Erlebnisse. Du bist schließlich weggefahren, um den Alltagsstress zu vergessen, nicht um ihn im Reisegepäck mitzuschleppen.

    Einfach genießen

    Letztendlich zählt, dass du ankommst – nicht nur am Zielort, sondern auch innerlich. Wenn du es schaffst, die Reise selbst schon als Teil des Urlaubs zu begreifen und auch im Urlaub keine Perfektion erwartest, hast du im Grunde alles richtig gemacht. Also: Lehn dich zurück, genieße den Tapetenwechsel, den anderen Tagesablauf, die vielen neuen Eindrücke, lass die Gedanken frei sein. Sei einfach einmal weg! 

    Sonnenuntergang an der Nord-Westküste Sardiniens

    Fotos: Angela Zimek