Mai 2026
Wandern, Baden, Genießen: Wie Sie die Zecken im Gras links liegen lassen
Der Sommer zeigt sich immer früher, die Seen haben zum Teil schon im Mai Badetemperaturen, die Wanderwege rufen und die Gärten blühen. Doch mit den ersten warmen Tagen zieht es nicht nur uns ins Freie, sondern es erwacht auch ein winziges kontaktfreudiges Wesen aus dem Winterschlaf: die Zecke. Als Apotheke mitten in Ihrem Alltag erleben wir jedes Jahr im Mai und Juni viele besorgte Fragen. Unser Fazit vorweg: Ein Grund zur Panik besteht nicht, ein Grund zur Vorsorge sehr wohl.
Kärnten ist bekanntlich ein FSME-Risikogebiet. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Stich krank macht. Im Gegenteil: Wer informiert ist und einfache Schutzmaßnahmen beachtet, kann die Kärntner Natur ohne Bedenken genießen. Wissen ist auch hier ein Vorteil um einerseits gezielt Maßnahmen treffen zu können und um andererseits nicht Fehlinformationen zum Opfer zu fallen. Damit Sie genau wissen, worum es geht, haben wir die wichtigsten Fakten zu den Krankheiten zusammengestellt, die von Zecken übertragen werden können – von den häufigen bis zu den seltenen Vertretern.
Was genau ist eine Zecke?
Bevor wir zu den Krankheiten kommen, wollen wir ein kleines aber hartnäckiges Missverständnis aus der Welt schaffen: Zecken lauern nicht auf Bäumen und lassen sich auch nicht von Bäumen fallen, wenn man unterhalb geht.
Der Hauptakteur in unseren Wäldern ist der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Diese Schildzecke lauert im hohen Gras, im Laub oder in niedrigen Sträuchern (meist bis knapp über Kniehöhe) und lässt sich von vorbeistreifenden Wirten – Kinder, Wandernde, …. einfach „abstreifen“.
In Österreich gibt es zwar etwa 18 verschiedene Zeckenarten (wie die größere Auwaldzecke), aber für uns Menschen ist fast ausschließlich der fleißige „Gemeine Holzbock“ relevant. Wer ihn kennt und weiß, wo er lauert, kann ihm viel besser aus dem Weg gehen.
Die „großen Zwei“: FSME und Borreliose
Diese beiden Erkrankungen sind in Österreich am bekanntesten und relevantesten. Der entscheidende Unterschied liegt im Erreger und im Schutz:
FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis)
• Erreger: Viren (FSME-Virus).
• Verbreitung: Kärnten zählt gemeinsam mit der Steiermark zu den Regionen mit der höchsten Virus-Aktivität in ganz Österreich. Das Risiko besteht im gesamten Bundesland, besonders in bewaldeten Gebieten und im hohen Gras.
• Symptome: Die Erkrankung verläuft oft in zwei Phasen. Sie beginnt mit grippeähnlichen Symptomen (Fieber, Kopfschmerzen). Bei einem Teil der Betroffenen folgt danach eine zweite Phase mit Befall des Nervensystems (Hirnhautentzündung).
• Wichtig: Gegen Viren helfen keine Antibiotika. Es gibt keine spezifische Heilung, nur eine Linderung der Symptome. Der einzige wirksame Schutz ist die FSME-Impfung.
Borreliose (Lyme-Krankheit)
• Erreger: Bakterien (Borrelien).
• Verbreitung: Borreliose ist die häufigste zeckenübertragene Krankheit in Österreich. Infizierte Zecken kommen in allen Bundesländern vor.
• Symptome: Typisch ist die „Wanderröte“ (Erythema migrans), eine ringförmige Rötung um die Einstichstelle, die Tage oder Wochen später auftreten kann. Unbehandelt können später Gelenkschmerzen oder Nervenreizungen folgen.
• Wichtig: Es gibt keine Impfung, aber Borreliose lässt sich im Frühstadium sehr gut mit Antibiotika behandeln.
FSME und Borrliose sind nicht die einzigen Erkrankungen, die durch Zecken ausgelöst werden, allerdings ist das Erkrankungsrisiko eher gering.
Weitere mögliche Erkrankungen finden Sie hier: Text aufklappen
Neben den beiden Hauptakteuren können Zecken weitere Erreger in sich tragen. Das tatsächliche Erkrankungsrisiko für den Menschen bleibt aber gering bleibt. Hier ein Überblick für Ihre Information:
- Rickettsiose (Zeckenbissfieber): Ausgelöst durch Rickettsien-Bakterien. Diese kommen in Kärnten überraschend häufig in Zecken vor (in Studien bei ca. 24 % nachgewiesen), führen aber beim Menschen seltener zu schweren Verläufen. Symptome sind oft Fieber und ein lokaler Hautschorf. Gut mit Antibiotika behandelbar.
- Anaplasmose: Verursacht durch das Bakterium Anaplasma phagocytophilum. Löst grippeähnliche Symptome wie hohes Fieber und Muskelkater aus. Tritt eher selten auf, kann aber für Menschen mit geschwächtem Immunsystem herausfordernd sein.
- Babesiose: Eine Infektion mit einzelligen Parasiten, die die roten Blutkörperchen befällt (ähnlich wie Malaria, aber milder). In Österreich vereinzelt nachgewiesen. Besonders für Menschen ohne Milz oder mit Vorerkrankungen relevant.
- Neoehrlichiose & Borrelia miyamotoi: Sehr seltene bakterielle Infektionen, die meist nur bei stark vorgeschwächtem Immunsystem zu ernsthaften Problemen führen.
- Tularämie (Hasenpest): Extrem selten in Österreich. Wird meist durch Kontakt mit infizierten Tieren übertragen, kann aber theoretisch auch via Zecke kommen.
Fazit zur Vielfalt der Erreger: Lassen Sie sich von dieser Liste nicht verunsichern. Die Wahrscheinlichkeit, an FSME oder Borreliose zu erkranken, ist um ein Vielfaches höher als bei den anderen genannten Krankheiten. Die gute Nachricht ist: Die Schutzmaßnahmen gegen die „großen Zwei“ wirken auch gegen alle anderen!
Ihr Schutzschild: Einfach, effektiv, entspannt
Sie müssen nicht zum Einsiedler werden oder Aufenthalte im Freien meiden, um gesund zu bleiben. Mit drei einfachen Maßnahmen minimieren Sie das Risiko für alle genannten Krankheiten drastisch:
- Der beste Freund: Die FSME-Impfung
Sie schützt zuverlässig vor der gefährlichsten viralen Infektion. Da es gegen die bakteriellen Erkrankungen (Borreliose, Rickettsiose etc.) keine Impfung gibt, ist der Schutz vor dem Stich umso wichtiger. Prüfen Sie bei uns Ihren Impfstatus – oft ist eine Auffrischung fällig. - Die mechanische Barriere: Kleidung & Repellents
Lange Hosen, geschlossene Schuhe und helle Kleidung machen es der Zecke schwer, eine geeignete Stelle zu finden. Zusätzlich helfen spezielle Zeckenschutz-Sprays (Repellents) aus der Apotheke, die Tiere für mehrere Stunden auf Distanz halten. - Der Sicherheits-Check: Absuchen & richtig Entfernen
Suchen Sie sich nach jedem Spaziergang gründlich ab. Zecken mögen es warm und feucht (Kniekehlen, Leisten, Haaransatz). Finden Sie eine Zecke: Keine Panik! Entfernen Sie sie sofort mit einer Zeckenkarte oder Pinzette, indem Sie sie nah an der Haut fassen und gerade herausziehen. Desinfizieren Sie die Stelle danach. Je kürzer die Zecke saugt, desto geringer ist das Infektionsrisiko für die meisten bakteriellen Krankheiten.
Genießen Sie die warmen Jahreszeiten!
Zecken sind nun einmal ein natürlicher Teil unserer schönen Landschaft, auch wenn wir uns wohl nie mit ihnen anfreunden werden. Aber – und das ist wichtig – sie müssen und dürfen uns nicht den Sommer vermiesen. Mit einem kühlen Kopf, der richtigen Impfung und ein paar gesunden Gewohnheiten sind Sie bestens gerüstet.
Wir beraten Sie gerne persönlich zur FSME-Impfung, zeigen Ihnen die besten Entfernungshilfen und empfehlen passende Schutzmittel für die ganze Familie. Kommen Sie einfach vorbei!