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(Mehr als) einen Baum pflanzen

Es gibt viele Ratschläge, was man in seinem Leben unbedingt getan haben sollte. Einen Wald zu pflanzen, gehört definitv dazu.

Vieles ist für uns einfach zur Selbstverständlichkeit geworden. Dazu zählt, dass wir hier in Kärnten viele Wälder haben, die wir – und das ist für uns auch selbstverständlich – kostenlos nutzen dürfen. Sei es zur Erholung, für Sport, zum Schwammerl oder Beeren Sammeln. Der Wald ist abseits unserer Freizeitinteressen nicht nur Heimat und Rückzugsgebiet für Tiere, er ist vor allem ein wichtiges Glied im Klimasystem und hat eine unverzichtbare Schutzfunktion in den Bergen. 

Blick über Bäume und Wiesen ins Tal

Was wir dabei gerne übersehen, ist all die Arbeit, die hinter einem gesunden Wald steckt. Nach einem arbeitsintensiven, schweißtreibenden Wochenende habe ich nun zumindest einen Hauch einer Ahnung davon bekommen … und die Erkenntnis, dass es wenig Dinge gibt, die so zufrieden und glücklich machen, wie etwas wirklich Sinnvolles getan zu haben.

Besprechung

Szenenwechsel: Ein Berghang in Leppen in der Gemeinde Eisenkappel. Nach zwei schweren Stürmen war die Aufforstung des Schutzwaldes letztes Jahr im Frühling endlich fast fertig, als im Mai 2020 ein Feuer erneut alles zunichte machte. Ein Rückschlag für die hier lebenden Menschen. Die direkt betroffene Familie überlegte schon, alles aufzugeben. Der Wald hat hier in den steilen Berghängen eine wichtige Aufgabe, denn er schützt Häuser und Straßen vor Steinschlägen, Muren und Lawinen. Hier musste also etwas unternommen werden, auch oder hauptsächlich, um den unmittelbar Betroffenen eine Perspektive zu geben.

Der „Club 41 – Old Table Völkermarkt“, bei dem ich Mitglied bin, versteht seine Aufgabe darin, karitativ tätig zu sein. Unser Ziel ist, Menschen, die durch Schicksalschläge in Not geraten sind, unbürokratisch und schnell zu helfen. Da es im letzten Jahr coronabedingt nicht möglich war, Charity-Veranstaltungen durchzuführen und damit Gelder zu sammeln, wurde die Idee geboren, unsere Arbeitsleistung zu spenden. Wir beschlossen, 10.000 Bäume zu pflanzen und damit ein Stück an Aussichtslosigkeit und Verzweiflung zu nehmen. Die Bäume selbst werden über Baum-Patenschaften finanziert. Mit 30 Euro wird ein Paket mit 10 Bäumchen erworben. Das kann natürlich noch immer gemacht werden, denn das Projekt ist auf zwei Jahre hin ausgerichtet.

kahler Hang, im Hintergrund schneebedeckte Bergkuppen

Das Projekt begann schon 2020. Schließlich musste vorab die Finanzierung der Bäumchen organisiert werden. Dies sollte über Baumpatenschaften möglich werden.

Ich habe im Namen meiner Apotheke letzte Weihnachten solche Baumpatenschaften verschenkt. Wie bereits in den Jahren zuvor kaufte ich für meine Geschäftspartner keine herkömmlichen Weihnachtsgeschenke, sondern überwies einen den Geschenken entsprechenden Betrag an den Verein. Diese Idee wird übrigens mit Begeisterung aufgenommen. Ich weiß, dass hier jeder Euro sinnvoll und zielgerichtet in der Region eingesetzt wird. Die Baumpatenschaften stießen generell auf großes Interesse und es konnten damit bereits ca. 4000 Bäume finanziert werden.

kahler Hang, nur ein paar Baumstämme

Als Kooperationspartner konnten die Klimawandel-Anpassungs-Modell-Region Südkärnten („KLAR!“), die Landwirtschaftskammer Außenstelle Völkermarkt, der „Round Table Völkermarkt“ und das Bezirksforstinspektorat gewonnen werden.

Selfie Johannes Müller

Ideen zu entwickeln, ist das Eine. Diese auch umzusetzten das Andere. Die durch Baumpatenschaften finanzierte Bäume müssen gesetzt werden, und so pflanzten die Vereinsmitglieder und viele Freunde an drei Tagen im April unter Aufsicht eines Försters im steilen, unwegsamen Gelände die Bäumchen. Es war anstrengend, richtig anstrengend. Ja, wir haben geflucht und uns zwischenzeitlich auch gefragt, warum wir uns das antun. Während wir an die Grenzen unserer Leistungsfähigkeit kamen, wuchs die Achtung gegenüber jenen Menschen, die diese Arbeit regelmäßig leisten. 

Mit jedem gesetzten Baum wurde uns mehr und mehr bewusst, dass Wälder, vor allem Schutzwälder, nicht selbstverständlich sind, sondern dass Menschen dahinter stehen, die diese Wälder pflegen, bei Bedarf aufforsten und für uns gesund erhalten. Eine enorme, kaum wahrgenommene und selten gedankte Leistung. Umso schöner war es für uns, die Dankbarkeit jener Menschen zu sehen, die durch den Waldbrand, der ihre wochenlange Aufforstungsarbeit innerhalb kürzester Zeit zunichte machte, in Existenznot geraten sind. 

Mit unserem Einsatz helfen wir nicht nur den betroffenen Landwirten, es ist auch ein Beitrag zum Klimaschutz und zur Landschaftspflege. Dass unser Wald dabei eine wichtige Rolle spielt, sollte mittlerweile allgemein bekannt sein. Übrigens kann jede und jeder einen Beitrag leisten. Es muss dazu nicht gleich ein ganzer Wald gepflanzt werden. Etwas mehr Achtung und Respekt vor dem Wald und den Menschen, die dort arbeiten, ist ein kleiner aber fairer Beitrag. Dazu zählt auch, den eigenen Abfall mit nach Hause zu nehmen, Plastik ist Gift für die Natur, aber eine achtlos weggeworfenen Zigarette oder eine unscheinbare Glasscherbe kann schnell einen Waldbrand verursachen. Und ein solcher kann Existenzen vernichten.

Abschließend möchte ich meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Dankbarkeit für den Einsatz, der für unsere Wälder und unser schönes Land, tagtäglich geleistet wird. Dankbarkeit dafür, dass ich erfahren durfte, wieviel Idealismus und Freude hinter dieser Arbeit stecken kann. Dankbarkeit dafür, dass ich, gemeinsam mit Freunden und Fremden, einen kleinen Beitrag leisten durfte, um einem zerstörten Areal unter die Arme zu greifen und damit in einigen Jahren bzw. Jahrzehnten wieder einen stolzen Wald, der uns schützt und Lebensraum bietet, hervorzubringen. Dankbarkeit für bestehende und neue Freundschaften durch diesen Einsatz!

Text: J. Müller
Fotos: Florian Mori und meine Selfies