Unsere Apotheke und Corona

2021 ist noch keinen Monat alt. Niemand von uns kann sich erinnern, dass ein Jahr jemals so begonnen hatte: Schulen, Theater, Kinos, Restaurants, sogar ein Großteil der Geschäfte sind geschlossen und dort, wo geöffnet ist, laufen wir mit einem Mund-Nasenschutz herum. Hätte uns dies jemand vor einem Jahr vorhergesagt, wir hätten wahrscheinlich schallend gelacht und dies ins Reich von Sagen und Märchen abgetan.

frische Blätter sprießen aus den Zweigen

Halt … da war doch schon etwas vor einem Jahr: Mit etwas Gruseln haben wir in den Medien die Vorgänge rund um einen Virus im weit entfernten China verfolgt, haben Masken, Straßendesinfektionen, daheim eingesperrte Menschen als etwas bei uns in Europa Unvorstellbares und nie und nimmer Umsetzbares abgetan. Was danach geschah ist Geschichte – auch österreichische Geschichte … Stichwort Ischgl.

blühende Bäume

So klein es ist, schaffte es das Virus doch, innerhalb weniger Wochen, unser Leben, unser aller Leben, grundlegend zu verändern. 
Wir lernten, dass Corona nicht nur ein Bier ist, was Lockdown bedeutet, dass Babyelefanten eine Maßeinheit sind, was exponentielles Wachstum ist, dass Gesundheitssysteme in bestimmten Bereichen an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen können und dass viele Menschen, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, üblicherweise wenig beachtet und entsprechend schlecht bezahlt werden. Vor allem aber bemerkten wir, dass wir alle auf eine solche Situation nicht vorbereitet waren. Und das, obwohl in der Wissenschaft schon lange davon ausgegangen worden ist, dass es irgendwann wieder eine große Pandemie geben würde – genauso, wie mit einem (Strom-)Blackout gerechnet wird oder mit den unumkehrbaren Folgen des Klimawandels. Die Frage dabei ist schon lange nicht mehr ob, sondern wann, wenn nicht vernünftig gehandelt wird bzw. keine Vorkehrungen getroffen werden.

Mohnblüte in grüner Wiese

Wir als Apotheke waren immer offen, galten wir doch als systemrelevant. Die Versorgung mit Medikamenten musste sicher gestellt sein. (Im Gegensatz zu Büroartikel, die bei Homeoffice und Homeschooling offensichtlich nicht notwendig waren … nein, es war nicht immer alles logisch nachvollziehbar, doch bei allen Fehlern, die gemacht wurden, es mussten Entscheidungen getroffen werden).

rosa Seerosen, schwimmende Blätter, Himme spiegelt sich im Wasser

Ja, es hatte sich mit dem Virus einiges verändert bei uns. Zu Beginn formten wir zwei Teams, die sich nie begegneten. So stellten wir die Versorgung unserer KundInnen sicher, auch wenn bei uns ein positiver Fall aufgetreten wäre. Wären beide Teams betroffen gewesen, wäre ein komplett neues Team von außen gekommen. Es gab also einen Notfallplan, der zum Glück nie auf seine Machbarkeit geprüft werden musste. Es gab und gibt eine maximale Kundenzahl, die zeitgleich im Geschäft sein durfte/darf. Wir brachten eine Verglasung an der Tara an, im Laufe der Zeit kamen die Masken dazu. Einfache Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen und Desinfizieren sind und waren bei uns immer schon selbstverständlich.

Fliegenpilz

Diese einfachen Maßnahmen halfen auch bei Grippe und co: Wir hatten so gut wie keine Krankenstände und wir überlegen, ob wir die Verglasung nicht – zumindest in den erkältungsintensiven Zeiten im Winter – auch in Nachpandemiezeiten belassen. Für eine solche Entscheidung haben wir noch Zeit, zuerst muss die Pandemie bewältigt werden.

rosa Dahlien vor blauem Himmel

Als systemrelevante Einrichtung stehen wir ganz oben am Impfplan. Bereits in den nächsten Wochen haben alle MitarbeiterInnen der Apotheke die Möglichkeit, sich freiwillig impfen zu lassen. Wir erzählen dann gerne, wie es uns damit ergangen ist. Aus jetziger Sicht ist die Impfung wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, in absehbarer Zeit wieder so etwas wie ein normales Leben führen zu können. Und glaubt uns, wir sagen das nicht, weil wir dank der Pandemie in den letzten Monaten das Geschäft unseres Lebens gemacht haben (im Gegenteil, auch wir hatten in den letzten Monaten weniger KundInnen) und nun mit dem Verkauf von Impfstoffen unseren Umsatz verdoppeln wollen. Die Impfstoffe werden vorerst ohne Apotheken verteilt.

Gelbe Herbstblätter im Gegenlicht

Wir haben den gleichen Wunsch wie alle anderen auch: Wir wollen mit Freunden Kaffee trinken, uns zu Unternehmungen treffen, reisen, Feste feiern, Kino, Theater, Konzerte Sportveranstaltungen besuchen, einen normalen Schulalltag für unsere Kinder. Daher appelieren wir als Apotheke aber auch als Menschen, die in der Apotheke arbeiten: Haltet Maßnahmen wie Hygiene, Masken, nur notwendige Kontakte ein und gebt der Impfung eine Chance: Noch nie zuvor wurde ein neuer Impfstoff bei so vielen Menschen vor der Zulassung getestet. Ja, eine Impfung ist immer eine Nutzen-Risiko-Abwägung. Bitte macht diese aber auch in Zusammenhang mit der Erkrankung, denn eines ist sicher: Sehr viele, auch bislang gesunde Menschen leiden monatelang, vermutlich eine beträchtliche Zahl auch lebenslang an den Folgen von Covid-19.

2 bunte Blätter an einem Zweigende

Im Laufe der Geschichte haben die Menschen viele Krisen überstanden. Auch diese wird vorüber gehen. Es geht nicht um subjektive Einzelempfindungen und -meinungen wie: Ich kenne wen, der… / bei mir war’s nur ein Schnupfen… / die Alten müssen sowieso … . Es geht darum, die Pandemie als das zu bewältigen, was sie ist: Eine weltweite Herausforderung, die nur gemeinsam überwunden werden kann.

Zweige im Schnee

P.S. Die Fotos sind ein Streifzug durch das Jahr und die Jahreszeiten und somit ein Hauch Normalität in ungewöhnlichen Zeiten.

Eiskristalle